Über Würmer, gute Vorsätze und Eiscreme im Bett

Wir haben das Jahr 2020 hinter uns gelassen! Obwohl ein Jahreswechsel eine symbolische Gelegenheit für Hoffnung und Neuanfang ist, sind die Probleme des alten Jahres natürlich mit in das neue hineingerutscht. Der Silvesterabend und der Neujahrstag sind mit den verschiedensten Ritualen besetzt, die auch auf Twitter reflektiert wurden, von Raclettetweets über obligatorische Böllerdiskussionen zu vielen interessanten Threads mit persönlichen Rückblicken auf das vergangene Jahr. In diesem Jahr gehörten dazu unter anderem die veränderten Bedingungen mit reduziertem Feuerwerk und den Silvestershows und Neujahrskonzerten ohne Publikum. 


1. 

Auf dieser Seite der New York Public Library wird eine Datenbank mit historischen Zeitschriften vorgestellt, die leider (!) nur für Bibliotheksmitglieder zugänglich ist. In diesen alten Zeitschriften finden sich natürlich auch zahlreiche Rezepte. Ich hoffe für das neue Jahr darauf, dass jemand mit Datenbankzugang einige dieser Rezepte live ausprobieren wird.


2.

Kafka als Meme in den sozialen Medien würde genug Material für eine ausführliche Untersuchung bieten. Im Mai 2020 entstand dieses TikTok-Video von @ninzzx, in dem sie ihre Mutter mit der Frage “Würdest du mich noch lieben, wenn du eines Tages aufwachen würdest und ich wäre ein Wurm?”  konfrontiert und die Antwort in dem viralen Video zeigt, dass Georg Samsas Familie nicht alleine mit ihrer Reaktion gewesen wäre. Der TikTok-Trend, bei dem ein nicht-sichtbares Gegenüber gefragt wird, ob man auch als Wurm noch geliebt würde, ist mittlerweile sogar der Ausgangspunkt einer online abgegebenen Kafka-Bewertung, womit der Kreis wohl geschlossen ist.


3.

Wer hat um den Jahreswechsel Tweets mit dem Wort “nocj” gesehen? Nocj ist eine häufige falsche Schreibweise von “noch” und damit prädestiniert für Memes, die auf der absichtlichen Falschschreibung von Wörtern basieren (wie auch bei “pwn” für “own” oder 1 statt !). Hier werden spätabendliche “Wer ist noch wach”-Tweets mit “wers nocj wach” parodiert. Neben absichtlichem “falsch” schreiben ist auch ein absichtliches Missverstehen oft in viralen Tweets zu finden, wie beispielsweise diesem hier, in dem eine Szene aus Sound of Music absichtlich falsch verstanden und damit deutlich obszöner wird.


4.

Zum neuen Jahr gehören gute Vorsätze, darunter oft auch der Vorsatz weniger Online zu sein, weniger Zeit in der virtuellen Welt zu verbringen, nicht vor dem Bildschirm zu versacken. (Hier schreibt Kathrin Passig über Versinken vs. Versacken). Besonders gefreut hat mich dieser ausführliche Thread mit Neujahrsvorsätzen, der mit Bildern aus mittelalterlichen Manuskripten illustriert wurde.


5.

Die Twitter-Account Empfehlung für diesen Newsletter sind die “XY doing normal shit”-Accounts. Das Account-Format gibt es mit Schriftsteller*innen, Künstler*innen und auch mit Komponist*innen.


Über die Ievan Polkka als Meme habe ich schonmal geschrieben (in diesem Newsletter), gerade tanzt auch ein Roboter von Boston Dynamics durch eine Weiterentwicklung des Memes. Sehr gefreut hat micht dieser TikTok-User, der Online-Streitigkeiten in Songs übersetzt.

Ich befinde mich in diesen Tagen noch im Jahresanfangswinterschlafmodus, deswegen ist der Newsletter dieses Mal etwas kürzer als sonst. In der nächsten Woche geht es dann wieder richtig los. Im letzten Jahr habe ich 11 Newsletter geschrieben und freue mich auch im neuen Jahr weiterhin ein kleines Sonntagsstück mit euch zu teilen.

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